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Zeitungsbericht Aktion Löscheimer

SCHLIENGEN-LIEL. Der Jugendfeuerwehr Liel gehen erstmals nach 30 Jahren die Jugendlichen aus. Die letzten sind gerade zur aus 23 Kräften bestehenden Aktivmannschaft gewechselt. Nun gilt es, Nachwuchs zu werben. Mit einer Aktion und einer großen Probe im Juni sollen junge Leute für die Lieler Feuerwehr gewonnen werden. Die Bürger, vor allem Neubürger, die vielleicht nur eine Berufsfeuerwehr kennen und nicht wissen, wie wichtig eine funktionierende Freiwillige Feuerwehr ist, sollen ins Nachdenken kommen, so Abteilungskommandant Raphael Thoma.

Für alle Bürger ist eine funktionierende Freiwillige Feuerwehr im Notfall überaus wichtig. Ohne Nachwuchs aber sieht es nicht nur im Brandfall, sondern auch bei Unfällen in kleinen Orten wie Liel schlecht aus. Denn die Zeit, bis eine benachbarte Feuerwehr im Notfall vor Ort ist, würde sich unweigerlich verlängern. "Aus dem Internet haben wir eine recht drastische Idee aufgegriffen: die des Löscheimers", verrät der stellvertretende Abteilungskommandant Chris Zimmermann. Auf die alte Methode, einen Brand mittels Löscheimerketten einzudämmen, musste noch im Zweiten Weltkrieg zurückgegriffen werden, als oft keine Feuerwehrleute, geschweige denn Löschwagen in Gemeinden und Städten verfügbar waren. Und dass der Löscheimer nur für ganz kleine Einsätze tauglich ist, erklärt sich eigentlich von selbst.

Rote Löscheimer mit der Aufschrift "Haushalts-Löschkübel" haben die Feuerwehrleute im Internet bestellt. Es handele sich also um eine andere Art von "ALS Ice Bucket Challenge (auf Deutsch Eiskübelherausforderung; eine als Spendenkampagne erdachte, kurzfristige und spektakuläre Werbung im Sommer 2014), schmunzeln die Floriansjünger.

Befüllt werden die Eimer im Falle von Liel nicht mit Wasser, sondern mit zwei auf Kartonpapier gedruckten Informationsblättern. Ein Infoblatt beschreibt das Verhalten im Brandfall, allerdings mit merkwürdigen Anweisungen, die "das Gehirn einschalten sollen", so die Feuerwehrleute. Das andere Blatt soll gezielt Jugendliche im Ort ansprechen und für das Mitmachen bei der Jugendfeuerwehr werben. 40 Löscheimer sollen im Dorf verteilt werden, besonders dort, wo jüngere Leute wohnen. "Wir wollen besonders junge Leute zwischen neun und 17 Jahren ansprechen. Aber natürlich sind uns auch Erwachsene sehr willkommen, die sich vorstellen können, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren", geben die Feuerwehrleute Alexander Grether und Raphael Löffler weiter.

 


Früher sei es einfacher gewesen, junge Leute für die Feuerwehr zu begeistern. Das meiste habe über die Mundpropaganda funktioniert, blickt Chris Zimmermann zurück. Ihn habe ein Klassenkamerad angesprochen, ob er nicht mitmachen wolle, erinnert sich Zimmermann. Inzwischen habe sich das Freizeitverhalten aber geändert – und auch die Ansprache. Meist kontaktiert man sich per Whatsapp, Twitter oder über Facebook. Das sei natürlich weniger persönlich, als wenn man direkt jemanden anspricht, bedauern die Feuerwehrleute, die zudem berichten, dass in Liel jetzt auch junge Frauen in der aktiven Feuerwehr dabei sind. Dementsprechend setzt man auch auf interessierte Mädchen, die "Action" mögen und auch mal "anpacken wollen". Der Frauenanteil in den Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland ist auf über acht Prozent gestiegen. Auch im Markgräflerland gibt es in manchen Jugendfeuerwehren bereits rund ein Drittel Mädchen, die mitmachen.

Die Proben bei der Feuerwehr bestehen nicht nur aus dem Erlernen von Wissen und Handgriffen, was im Brandfall oder bei technischen Einsätzen zu tun ist, obwohl allein das schon interessant ist. "Wir haben auch generell ganz viel Spaß zusammen, und es sind natürlich auch Wettkämpfe und Freizeitangebote im Programm", erläutert Thoma.

So hat die Feuerwehr Liel für Samstag, 15. Juni, 18 Uhr, am Gerätehaus im Ort eine Übung vorgesehen, zu der die Bevölkerung eingeladen ist, um ihre Feuerwehr vor Ort besser kennenzulernen. "Wir werden unsere Fahrzeuge vorstellen, eine Löschübung initiieren und uns auch was zum Ausprobieren und Mitmachen ausdenken", zählt Abteilungskommandant Raphael Thoma auf. Und: "Wir hoffen sehr, dass der eine oder andere sich dann überlegt, bei uns mitzumachen", sagt Stellvertreter Chris Zimmermann.

Kontakt für interessierte junge Leute, die bei der Lieler Jugendfeuerwehr mitmachen wollen: Jugendwart Alfred Zimmermann, Tel. 07635/1493, stellvertretender Jugendwart Raphael Löffler, Tel. 0160/94644390, oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

 

Quelle und Bild: https://www.badische-zeitung.de/schliengen/loescheimer-sollen-nachwuchs-locken--173199611.html